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Foto: G. Hänsel

"Natur Natur sein lassen"

Erster Nationalpark grenzüberschreitend in Rheinland-Pfalz und Saarland

Das Gesamtgebiet des grenzüberschreitenden Schutzgebietes umfasst eine Fläche von rund 10.000 Hektar. Es zeichnet sich durch zahlreiche Alleinstellungsmerkmale wie altholzreiche Buchenwälder, Moore, Rosselhalden, Arnika- und Borstgraswiesen sowie große Höhen- und Temperaturunterschiede auf engem Raum aus. Wichtigster Schutzzweck der Naturzone ist der Prozessschutz nach dem Motto „Natur Natur sein lassen“. Im Entwicklungsbereich der Naturzone sind Maßnahmen im bis zu 30 Jahre andauernden Übergangszeitraum möglich. Danach gilt: „Natürliche Entwicklung auf ganzer Fläche“. 

Der Nationalpark ist eine Chance für die Hunsrück-Nahe Region, denn es soll in der einzigartigen Landschaft der Gleichklang von Naturschutz, nachhaltigem Tourismus und zukunftsfähiger Regionalentwicklung erreicht werden. 

Einziger Nationalpark in Rheinland-Pfalz - Grenzüberschreitend
Nationalparke dienen nicht nur dem Natur- und Artenschutz, sie sind gleichermaßen Aushängeschild und Magnet für die Region. Die Kombination ihrer Natur- und Kulturschätze macht die westliche Hunsrück-Region bis ins angrenzende Saarland einzigartig: keltisch-römische Denkmäler und Edelsteinminen inmitten schroffer Felswände, Moore und ausgedehnter Wälder, eine reiche Pflanzen- und Tierwelt mit einem der größten Wildkatzenvorkommen Europas. Ein Nationalpark im Hunsrück bietet die einmalige Chance, Naturschutz und Entwicklung eines strukturschwachen Raumes zu verbinden.

Wildnis für Tiere und Pflanzen – auf einem Prozent der Waldfläche des Landes
Schon heute ist der Hunsrück eine „Hotspot-Region für biologische Vielfalt“ (Bundesamt für Naturschutz, 2011) und Rheinland-Pfalz ist mit 42 Prozent das waldreichste Bundesland. Ein Nationalpark Hunsrück überlässt der Natur die Regie. Schritt für Schritt kehrt unberührte Wildnis zurück. Heute noch seltene und störungsempfindliche Tier- und Pflanzenarten finden hier beste Bedingungen. Ursprüngliche Wald- und Pflanzengesellschaften stellen sich ein. Wildkatze und Schwarzstorch können ungestört ihre Jungen aufziehen. Mit der Renaturierung von Mooren entsteht nicht nur das ursprüngliche Landschaftsbild des Hochwaldes wieder. Moore sind die größten CO2 und die besten Wasserspeicher. Sie leisten ebenso wie naturnahe Wälder einen wichtigen Beitrag zu Wasserqualität und Klimaschutz. Der neue Nationalpark im Hunsrück ist ein zentraler Beitrag zur nationalen Biodiversitätsstrategie (2007). Sie hat den Erhalt der biologischen Vielfalt und unserer natürlichen Lebensgrundlagen zum Ziel.

Die Rotbuche – etwas Besonderes
Der neue Nationalpark übernimmt eine wichtige Rolle zur Erhaltung alter Buchenwälder, die in Europa als stark gefährdete Lebensräume gelten. Die Nationalparkfläche ist heute etwa zur Hälfte mit Buchen bewaldet. Hier wächst vor allem die Rotbuche, weltweit eine eher seltene Art. Im Nationalpark Hunsrück soll der Schutz der natürlichen Prozesse im Vordergrund stehen: Buchen dürfen alt werden, zerfallen, verrotten und sich selbst verjüngen. Das ist der bestmögliche Schutz für diesen Lebensraum und seine besonderen Arten von Tieren und Pflanzen.

Tolle Freizeitmöglichkeiten und faszinierende Naturerlebnisse
Der Nationalpark steht allen Besucherinnen und Besuchern jederzeit und kostenlos offen. Hier können sich die Menschen in ungestörter Natur erholen und Wildnis erleben oder geologische Schätze und Zeugnisse einer herausragenden Kulturgeschichte entdecken. Ein vor Ort abgestimmter Wegeplan sorgt dafür, dass die Natur auf spannenden Wegen und Pfaden erlebbar wird. Im Nationalpark im Hunsrück dürfen diese – mit Ausnahme besonderer Schutzzonen – auch verlassen werden.

Wer den Nationalpark mit Expertenhilfe erkunden möchte, kann sich Führungen durch speziell ausgebildete Ranger anschließen oder die Angebote der Nationalparkführerinnen und -führer buchen. Selbstverständlich sind auch Radfahren, Reiten und andere Natursportarten im Rahmen des Wegekonzepts willkommen. Auch Beeren und Pilze dürfen auf ausgewiesenen Flächen gesammelt werden.

Wo genau welche Aktivität möglich ist und wo Schutzzonen liegen, werden die Akteure der Region und das neue Nationalparkamt miteinander erarbeiten. Die Sehnsucht nach unverfälschtem Naturerlebnis liegt im Trend. In der Nationalparkregion sind neue Freizeitangebote entstanden.

Neue Perspektiven für die Nationalparkregion
Umwelt schützen und Wildnis zulassen sind wichtige Aufgaben eines Nationalparks. Eng damit verbunden ist das Ziel, die Region als attraktiven Standort für Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu etablieren. Das Landeskonzept für den Nationalpark zeigt deshalb Wege auf, wie die Dörfer und Städte der Umgebung profitieren: Förderprogramme des Landes, des Bundes und der EU sollen vorrangig der Nationalparkregion zugutekommen. Für die Kommunen gilt es, aktiv zu werden, Projekte zu entwickeln und zur Förderung einzureichen. Ein Nationalpark, das zeigt die Erfahrung anderer Nationalparke, bringt Aufwind für Tourismus, Gastronomie, lokales Gewerbe und Dienstleistungen. Neue Arbeits- und Ausbildungsplätze sollen vor allem in Umweltbildung und Tourismus entstehen, aber auch in Branchen „grüner“ Spitzentechnologie, der IT oder der Kommunikation.

Die Menschen der Nationalparkregion erhalten neue Perspektiven für ihre Heimat. Mit Unterstützung des Landes können Dörfer und Städte Projekte und Initiativen für mehr Lebensqualität, eine wohnortnahe Versorgung und eine verbesserte Infrastruktur auf den Weg bringen.

Land erfüllt Naturschutzverpflichtungen
Mit dem Nationalpark in Rheinland-Pfalz will die Landesregierung ihren internationalen Naturschutzverpflichtungen nachkommen. Der Nationalpark ist ein bedeutender Beitrag, um die Ziele der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt umzusetzen. Die Biodiversitätsstrategie sieht vor, auf den Waldflächen im öffentlichen Eigentum zehn Prozent natürliche Waldentwicklung zuzulassen. Das Land kommt dieser Aufgabe mit Flächen des Staatswaldes nach.

Nationalpark - Was ist das?
Serengeti, Yellowstone, Grand Canyon, Everglades, Galapagos - Bilder großartiger Reiseziele entstehen, wenn wir diese Namen lesen. Bilder von überwältigenden Naturschönheiten, die weltweit mit dem Prädikat Nationalpark ausgezeichnet werden. So unterschiedlich diese Landschaften auch sind, eines haben sie gemeinsam: wilde Natur.bHier hat der Mensch aufgehört, Einfluss zu nehmen. Eine besonders vielfältige Tier- und Pflanzenwelt entwickelt sich ausschließlich nach den Gesetzen der Natur.

Die Idee, Nationalparke einzurichten, kam 1872 in den USA auf. Präsident Ulysses S. Grant unterzeichnete damals ein Gesetz zum Schutz des Yellowstone-Gebiets und gründete damit den ersten Nationalpark der Welt. Das Ziel des Parks beschrieb der US-Präsident so: „Gewidmet und ausgewiesen als ein öffentlicher Park oder Freizeitpark zum Wohl und zur Freude der Menschen“.

Deutsche Nationalparke stehen für großflächige, naturnahe Landschaften. Deshalb sind sie für die natürliche Entwicklung - für das Entstehen von Wildnis - besonders gut geeignet. In Deutschland wurde der erste Nationalpark im Jahre 1971 im Bayerischen Wald ausgewiesen.

Weitere Informationen: Nationalparkamt Hunsrück-Hochwald
Brückener Straße 24
55765 Birkenfeld
Telefon Zentrale 06131 884152-0
poststelle@nlphh.de
www.nationalpark-hunsrueck-hochwald.de

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